Eine alte Tradition, die auf die ersten Jahren des 14. Jahrhunderts zurückgeht, besagt, dass eines Tages ein Mann und ein Kind durch Serravalle Pistoiese kamen. Um Almosen bittend, hielten sie an der Burg, wo sie so freundlich aufgenommen und unterbracht wurden, dass das Kind versprach, es würde sich an die Gastfreundschaft der Buerger von Serravalle erinnern. Das Kind war niemand anderer als Ludwig von Anjou, Sohn des Koenigs von Frankreich und Thronerbe, der später Bischof wurde und dann heilig gesprochen wurde. Nach der Legende hielt er sein Wort indem er viele Jahre später Serravalle vor der Plünderung rettete. Im Jahr 1306 geschah es nämlich, dass die Lucchesen auf dem Heimweg, nachdem sie - zusammen mit den Florentinern - an der Besatzung und Plünderung von Pistoia teilgenommen hatten, entschieden, auch Serravalle zu plündern, weil Serravalle ihrer Meinung nach schuldig war, Pistoia unterstützt zu haben. Sie wollten deswegen die Burg belagern, die sich auf ihrem Weg befand. Aber als sie die Mauern erkletterten, erschien ihnen von oben die Figur des Heiligen Ludwig, der sie, in einer glänzenden Wolke eingehüllt und mit einem flammenden Schwert bewaffnet, zurückschlug. Die Feinde wurden von Panik ergriffen, hoben die Belagerung voreilig auf und kehrten nach Lucca zurück. Seit dieser Zeit ist der Heilige Ludwig Schutzherr der Burg Serravalle und es wurde statuiert, seinen Gedenktag jeden 19. August feierlich zu begehen. Wie lebhaft die Verehrung für den Heiligen Ludwig war erkennt man daran, dass eine Anordnung der Gemeinde vorsah, dass alle Knaben, die in Serravalle geboren wurden, neben den anderen Namen auch den Namen Ludwig führen mussten. Das Patronatsfest des Heiligen Ludwig ist eine mehr als sechs Jahrhunderte alte Tradition, die immer mit Liebe durchgeführt und von Generation zu Generation überliefert worden ist wie eine von allen Bewohnern Serravalles tief empfundene Pflicht.