Vor dem Jahr 1000 hatte das Gebiet von Serravalle noch keine Pfarrkirche. Die ältesten, urkundlich belegten Kirchen sind die von San Marcello in Vinacciano, von Groppoli und von Casalguidi. Die Kirche St. Stefano , dem Heiligen Stefan gewidmet, ist wesentlich später entstanden und wird ab Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Das heutige Gebäude bewahrt, trotz einiger Eingriffe, die antike romanische Fassade mit hohem Ziegelprofil und Reste des Originalmauerwerks an den Seiten. Der Glockenturm an der rechten Seite der Fassade gehörte ursprünglich zum Verteidigungssystem der Burg und hat den antiken Bogendurchgang aus Stein bewahrt. Er war Schauplatz eines schweren Kriegsvorfalles. Anfangs des 16. Jahrhunderts wurde die Familie Panciatichi, die in dem Turm verbarrikadiert war, von der gegnerischen Familie Cancellieri gezwungen, den Turm zu verlassen, indem die Cancellieri zuerst den Turm und dann die Kirche in Brand setzten.
Das einräumige Innere wurde seit dem katastrophalen Brand im Jahr 1501 mehrmals verändert. Anfang des 19. Jahrhunderts erwachte das Interesse für diese Kirche wieder Dank einer wertvollen Orgel der renommierten Pistoieser Werkstatt der Agati mit verschiedenen Tonregistern aus dem 18. Jahrhundert.
Unter der wertvolleren Ausstattung befinden sich die Statuen des Heiligen Ludwig von Toulouse und des Heiligen Antonio Abate, sowie wertvolle glasierte Terrakotta-Skulpturen aus der Schule des Giovanni della Robbia.
Das Ortsmodell von Serravalle, das der Heilige Ludwig in der Hand hält, rührt von einer Legende her, laut der Ludwig von Toulouse, als Zeichen seines Dankes für die von den Burgbewohnern erhaltene Barmherzigkeit, im Jahr 1306 den Ort gerettet hat, indem er den Milizen von Lucca erschien, die dabei waren, den entscheidenden Angriff auszuführen. Die Bewohner verehren den Schutzpatron auch heute noch und feiern den 19. August, an dem eine Prozession die Statue des Patrons aus Stuck und Pappmaché, die normalerweise in dieser Kirche aufbewahrt wird, durch die Strassen trägt. Weiterhin interessant ist das Holzkreuz des Hauptaltars, auf 1619 datiert und vom Pistoieser Giovanni Zeti (1557 - 1620) ausgeführt. Die Sakristei ist durch einen schönen Renaissancestil geprägt und reich an liturgischer Ausstattung. Durch eine Tür der Sakristei gelangt man in die Kapelle der Heiligen Sakramente aus dem 17. Jahrhundert, in der kostbaren Kunstwerke aufbewahrt sind.