Dieser antike Ort in reizender Lage wurde das erste Mal als Curtis Vinathiana im Jahr 998 erwähnt. Die Burg spielte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle bei den politischen Angelegenheiten, als sie, dem Schicksal von Serravalle folgend, erst von Uguccione della Faggiola und dann von Castruccio Castracani erobert wurde. Herrschaft der pistoieseischen adelige Familie Cancellieri und schon seit dem 14. Jahrhundert mit Mauer und Erdwälle gut ausgestattet, wurde die Burg anfangs des 16. Jahrhunderts in den Auseinandersetzungen zwischen Cancellieri und Panciatichi verwickelt, wobei sie schwere Schäden erlitt.
Von der mittelalterlichen Festung ist nur der massive, sechseckige Turm übriggeblieben, obwohl sie durch aus dem neunzehnten Jahrhundert stammende Eingriffe verändert wurde.Das angrenzende Gebäude bildet dagegen ein interessantes Beispiel für ein befestigtes Gebäude aus dem 16. Jahrhundert.Von der alten Pfarrkirche S. Marcello, die schon seit 1133 bekannten war und, die am Ende des 18. Jahrhunderts niedergerissen wurde, bleiben wenige Ruinen auf dem umliegenden Land. Die heutige Kirche Santi Marcello und Lucia wurde später auf dem bestehenden Oratorium der Heiligen Luzie gebaut.
Die heutigen Formen der Kirche, die an dem kleinen Plätzchen liegt, gehen ins 16. und 17. Jahrhundert zurück. Das Innere der Kirche, vor der sich ein Portikus befindet und die einen einzigen Raum hat, ist mit Ausstattungen aus dem 17./18. Jahrhundert eingerichtet, darunter ein raffiniertes Taufbecken aus Marmor. An der linken Wand befindet sich das wertvollste Werk: Ein Gemälde der Madonna mit Kind und den Heiligen Bartolomaeus, Marcellus und Hans, das der Pistoieser Leonardo Malatesta (1483-1524) angefangen und dann nach seinem Tod von einem seiner Schüler fertiggestellt hatte. Das Gemaelde spielt an die Madonna del Carmine an: eine Wundererscheinung der Jungfrau, die im Jahr 1252 stattgefunden hat, die aber erst 1322 vom Papst anerkannt wurde, und dann noch mal 1528.
Diese letzte Angelegenheit ist vielleicht mit der Tafel von Vinacciano verbunden. Oben, über der Schulter des Heiligen Bartolomaeus gemalt, ist das Profil einer Burg mit Türmen zu sehen, vielleicht dieselbe Vinacciano.Die Leinwand des Hauptaltars aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stellt eine ungehwohnliche Ikonographie der Heiligen Lucia dar, die zwischen den Heiligen Antonio Abate und Luigi Gonzaga in den Himmel aufsteigt.